Ein Stoff für die Ewigkeit
Es gibt nicht viele Dinge, die so ikonisch sind wie die Jeans. Kaum ein Kleidungsstück, nein kaum ein Etwas hat so viele Jahrzehnte einen festen Platz in unserer Gesellschaft und kollektiven Bewusstsein und hat so viele Kulturen und Subkulturen berührt, belebt und bereichert wie der berühmte Baumwollstoff Denim.
Einst als Arbeitskleidung für Goldschürfer am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt, wurde die Jeans und Denim-Twill an sich die Kleidung für die, die hart arbeiteten. Minenarbeiter, Cowboys, you name it.....wo langlebige und toughe Arbeitskledung gefragt war, war eine Jeans nicht weit.


Irgendwann so um die 1950er Jahre fand die Jeans auch ihren Weg in die (amerikanische) Popkultur. Egal ob Marlon Brando in The Wild One oder James Dean mit Harrington Jacke und Blue Jeans in Rebel without a Cause, Denim wurde zum Symbol für Unangepasstheit und Widerstand. Die Jeans wurde in den 70er sowohl von Greasern, als auch von Punk-Helden wie den Ramones, The Clash und den Sex Pistols neben der Lederjacke zum Markenzeichen einer ganzen Bewegung. In den 90er Jahren wurde dieser (Teen) Spirit in anderer Form von der Grunge Bewegung wieder aufgegriffen und sicherte sich spätestens mit Nirvanas Frontmann Curt Cobain wieder einen Erste-Reihe-Platz im popkulturellen Zeitgeist. Britney Spears' und Justin Timberlakes' All Denim "Canadian Tuxedo" Outfit bei den 2001 American Music Awards zementierte dann endgültig den Jeans-Kult.

Und die Modeindustrie hatte nicht geschlafen - Jeans waren das Must-Have Kleidungsstück der 90er und frühen 2000er. Und nicht nur in den USA sondern weltweit. Besonders in Japan wurde die Tradition und Handwerkskunst der Denim-Herstellung seit der Mitte des 20. Jahrhunderts großgeschrieben und entwickelte dort beinahe ein Eigenleben und eine eigene Kultur um den indigoblauen Baumwollstoff, die heutzutage wieder in westliche Märkte hinüberschwappt und auch hier Enthusiasten die Jeans mit ganz anderen Augen sehen lässt.
Eine ganzheitliche Geschichte der Jeans würde hier ein wenig den Rahmen sprengen, darüber haben andere schon ganze Doktorarbeiten, Bücher und Dokumentationen verfasst (alle sehr empfehlenswert, zum Beispiel hier).
Wir wollen Dir hier einen ganz kurzen Überblick über die verschiedenen Schnitte und Waschungen des ikonischen Kleidungsstücks geben, falls du Jeans für Dich neu entdecken möchtest oder die schiere Auswahl dir den Kauf erschwert.
Die verschiedenen Cuts:
Straight Cut: Der Klassiker. Man denke an die ikonische Levi's 501 mit etwas höherem Bund und geradem Bein. Auch wenn dieser Schnitt vielleicht nicht den momentan Trend immer weiter werdender Silhouetten trifft, dieser Schnitt wird niemals aus der Mode gehen! Er zeichnet sich aus durch einen relativ schmalen Oberschenkel, nicht slim oder skinny, jedoch auch nicht mit übermäßigem Raum, und einer Beinlinie, die der des Oberschenkels direkt folgt. Bedeutet, dass die Hose ab dem Oberschenkel gerade herunterläuft, ohne an den Knöcheln nochmals enger oder weiter zu werden. Ein zeitloser Style der zu jedem Typ und jedem Anlass passt und für viele der Einstiegspunkt und Sweet Spot was Jeans angeht.
Hier repräsentiert durch die Rad Rufus von Nudie Jeans aus unserem Sortiment:
Slim Tapered: Die Rock-Ikone. Getragen von Rockstars, Trap Rappern und Stil-Ikonen wie Yves Saint Laurent Mens ehemaliger Creative Director Hedi Slimane. Ein niedriger Bund und ein schmales Bein, das zum Knöchel enger zusammenläuft. Effortlessly cool und geppart mit Grunge-inspirierten oder chic gestylten Looks ein Evergreen, egal was die Trends sagen.
Flare/Boot Cut: Getragen zu Cowboy Boots bei den Kuhhirten des Südens der USA und zu Flower Power Batic Shirts in de 70ern. Der Name erklärt es: Die Beinöffnung muss groß genug sein, dass ein paar Stiefel inklusive Schaft bequem drunter Platz finden. Dafür verbreitert sich die ansonsten meist gerade bis schmal geschnittene Silhouette ab dem Knie oder meist eher ab dem Knöchel wieder und erzeugt so die ausgestellte Form über den Schuhen. Die Ausprägungen reichen hier von sehr dezent bis Saturday Night Fever.
Hier siehst du die
Alice von Selected Femme und die
Rebecca von Samsøe Samsøe.
Wide/Loose Cut: Der neue Standard. Seit einigen Jahren verbreitern sich die Hosen-Silhouetten quer durch den gesamten Markt. Das heißt nicht, dass schmalere Schnitte gänzlich verschwinden, sondern nur dass es zusätzliche Optionen für diejenigen gibt, die gerne eine etwas voluminösere Form ausprobieren möchten. Was als Trend begann, wird sich einreihen in so viele Additionen in der Modewelt, die wir heute als gänzlich normal betrachten, wie kürzer geschnittene Oberteile oder sportliche Alltagskleidung.
Weitere Schnitte zeichnen sich durch mehr Raum bei Gesäß, Oberschenkel und Beinöffnung aus. Die Beinlinie kann dabei entweder ganz gerade verlaufen und somit auch eine größere Beinöffnung erzielen, oder zum Knöchel etwas schmaler werden um den Tapered Look der schmaleren Gegenstücke zu erzeugen.
Beispiele für Loose Tapered wären die
Eddie von Samsøe und die
Tyrell von Edwin.
Die verschiedenen Waschungen:
Raw Denim/Dry Denim: Ungewaschene Hosen??? Das will man...? Tatsache. Raw Denim (nicht zu verwechseln mit Selvedge Denim, auch wenn die beiden oft zusammen auftreten, wie auf dem nachfolgenden Foto, zu erkennen an der Selvedge ID auf der Müztasche) ist unbehandelter, ungewaschener Jeansstoff, der seine natürliche tiefblaue Indigo-Färbung noch intakt hat. Die Farbe ist satt und der Baumwollstoff hat noch all seine natürliche Stärke im Inneren, was Produkten aus Raw Denim die charakteristische Steife gibt. Mit der Zeit und mit den ersten Waschgängen bleicht die Farbe an "high wear areas" wie den Taschen oder den Knien mehr und mehr aus und es ergeben sich die typischen hellen Blautöne, die wir mit getragenen Jeans verbinden. Aber egal wie hell die Waschung ist, Blue Jeans fangen alle als Raw Denim an.

Rinsed/One Wash: Der erste Waschgang. Da Raw Denim ungewaschen ist, hat es die Eigenschaft bis zu den ersten Wäschen abzufärben. Also Obacht mit hellen T-Shirts, Hemden und Sitzmöbeln, denn das Indigo überträgt sich durch Druck und Reibung auf andere Stoffe (und bleibt dort dann gerne für immer...). Ein erster Waschgang (oft nur mit Wasser, ohne Tenside) oder "Rinse" wäscht einige der losen Farbpigmente aus dem Kleidungsstück, ohne die generell dunkelblaue Farbe zu sehr zu verwässern (buchstäblich). Außerdem erhält man nach der ersten (oder den ersten paar) Wäsche das "fertige" Kleidungsstück in Bezug auf die Größe. Unbehandelter Denim-Stoff läuft oft noch ein gutes Stück ein bei der ersten Wäsche. Viele Raw Denim Modelle sind deshalb "shrink to fit" - man kauft extra eine Größe größer, damit diese nach dem ersten Waschen dann perfekt auf den Körper passt.
One Washes lösen diese (für viele) Unannehmlichkeiten und bieten trotzdem die volle Farbpracht von unbehandelten Indigo-Färbungen.

Stonewashed: Ab hier wird die Ausgangsfarbe des Denim-Produktes durch nachträgliche Waschungen, Färbungen oder Verfahren verändert. Hierfür werden beim Stonewashing Denim-Produkte mit großen Steinen in eine Waschtrommel gegeben und mit diesen gewaschen. Die Abreibung durch Kontakt mit den Steinen sorgt für einen helleren Look und macht das Material gleichzeitig auch noch deutlich weicher. Stonewashed Denim hat dadurch das charakteristische Gefühl und den Look eines jahrelang getragenen Lieblingsstücks, auch direkt aus dem Laden.
Der Grad der Waschung und und die Farbe des Produktes kann dabei natürlich variiert werden, indem Länge und Anzahl der Waschzyklen erhöht wird. Von ganz subtilem Abrieb bis hin zum "Destroyed Look", alles geht.
Mittlerweile gibt es auch abgewandelte Techniken, wie Mud Washing/Dyings oder auch Sand Washing, Schlammfärben und Sandstrahlen von Denim, das den Produkten einen schmutzig, getragenen Look, aber weniger chemischen und mehr organischen Look verleiht.
Acid Wash: Ein ähnliches Verfahren wie beim Stonewashing, nur werden hier Bimmssteine und Chlor benutzt um einen ganz hellblauen, beinahe weißen Look zu erzeugen. Entstanden bzw. abgeguckt ist diese Methode von der Surfer- und Counter Culture der 1980er Jahre, deren Levi's 501 Jeans vom Salzwasser des Ozeans und durch Trocknen in der prallen Sonne hell gefärbt waren. Die Punk-Kultur der 80er nahm dieses Stilmittel auf, wobei Batlle Jacktes und Jeans von Skinheads und Punks mit Chlorbleiche bespritzt wurden um einen kontrastreichen, gesprenkelten Fade zu erzeugen, der an Camouflage erinnern sollte.
Ungefärbte Baumwolle/Natural: Baumwolle (und der daraus entstehende Garn) sind nicht, wie gerne angenommen wird, weiß sondern eigentlich von Natur aus hellbräunlich-beige, also ein natürlicheres, unreines Weiß. Durch das Bleichen des fertigen Garns entsteht der bekannte reinweiße Baumwollfaden.
Doch Denim kann auch aus unbehandelter, ungefärbter Baumwolle hergestellt werden. Die fertigen Produkte behalten danach den natürlich-organischen Look des ungefärbten Ausgangsmaterials.
Wir hoffen, dass wir mit diesem kurzen Guide ein wenig Licht in den Denim-Dschungel bringen konnten. Für eine ausführliche Hosen- und vor allem Jeans-Beratung, komm' immer gerne bei uns im Store vorbei oder schreib uns!