Oakley mal anders.

Oakley kennt man. Zumindest meistens. Brillen, Skibrillen, Radfahren, irgendwelche ziemlich schnellen Menschen in ziemlich aerodynamischer Kleidung. Die Marke hat eine sehr eigene Bildsprache und ist eigentlich seit jeher eher auf der technischen Seite unterwegs. Was wir bisher nicht so richtig auf dem Schirm hatten: Was Oakley in Sachen Kleidung macht, kann ziemlich gut sein. Und zwar gerade dann, wenn man mit klassischer Oakley-Optik nicht unbedingt so viel anfangen kann.

Deshalb gibt es jetzt Oakley Japan bei uns. Oder genauer gesagt die Field Gear Line, kurz FGL. Das ist wichtig, weil es hier nicht um die japanische Version des normalen Oakley-Sortiments geht. FGL ist eine eigene Kollektion und fühlt sich auch so an.

Wir sind über die Sachen gestolpert und waren relativ schnell interessiert. Nicht, weil hier alles besonders laut oder neu erfunden aussieht. Eher im Gegenteil. Vieles ist auf den ersten Blick erstaunlich normal. Ein T-Shirt. Eine Hose. Ein Fleece. Eine Daunenjacke. Eine Cap. Sachen, die man eben anzieht. Erst beim zweiten Blick merkt man, dass Oakley bei den Materialien und Konstruktionen ziemlich tief drin ist.

Oakley kommt ursprünglich nicht aus der Mode. Jim Jannard hat die Marke 1975 gegründet, zunächst mit Produkten für Motocross und BMX. Das Prinzip war damals schon relativ simpel: Produkte entwickeln, die ein konkretes Problem besser lösen. Und zwar nicht nur am Schreibtisch, sondern mit Leuten, die das Zeug tatsächlich benutzen. Diese technische Herangehensweise ist bei Oakley bis heute ziemlich präsent. Nur dass sie bei FGL nicht mehr unbedingt nach Sport aussieht. „Outer Motion, Inner Still“ nennt Oakley das selbst. Ein etwas großer Satz, aber eigentlich gar nicht schlecht. Draußen kann alles passieren, innen soll möglichst wenig davon ankommen. Regen, Wind, Kälte, Bewegung. Dafür gibt es wasserabweisende Stoffe, Stretch, unterschiedliche Fleece-Konstruktionen, Isolation und Materialien, die Feuchtigkeit vom Körper wegbringen.


Das Fuel LS Shirt 6.7 ist so ein Fall. Sieht aus wie ein ziemlich gutes Longsleeve und kann dann doch einiges mehr. Der Stoff ist elastisch, wasserabweisend und atmungsaktiv und transportiert Feuchtigkeit nach außen. Also nichts, was man unbedingt wissen muss, wenn man es trägt. Aber ziemlich angenehm, wenn man es weiß. Wir haben es in Phantom und Acrid Green.

Das Union Tee 6.7 macht eigentlich genau dasselbe, nur als T-Shirt. Rayon, Nylon und etwas Polyurethan sorgen für Stretch und einen eher weichen, kühlen Griff. Feuchtigkeit wird aufgenommen und wieder abgegeben. Das Shirt bleibt dabei optisch ziemlich weit weg von klassischer Funktionswäsche. Phantom ist erwartungsgemäß understated, Rouge fungiert als leiser Hingucker.


Die Tool Box Pants 6.7 hat ihren Namen nicht ganz umsonst. Ripstop, wasserabweisendes Material und große Taschen. Nicht diese aufgesetzten Taschen, die nur da sind, damit eine Hose „Utility“ schreien kann, sondern tatsächlich Stauraum. Schlüssel, Handy, Portemonnaie, vielleicht noch ein bisschen mehr. Der Rest ist angenehm unkompliziert.


Die Pit Ankle Pants 1.7 ist leichter und hat durch den verkürzten Schnitt einen etwas anderen Charakter. Stretch-Nylon, wasserabweisend, schnelltrocknend und atmungsaktiv. Das klingt erstmal nach Outdoor-Katalog, sieht aber eher nach einer Hose aus, die man in Tokio genauso gut tragen könnte wie auf dem Weg durch Hamburg. Was vermutlich auch kein Zufall ist.


Die Axis Pants 6.7 ist für die kältere Jahreszeit gedacht. Außen Boa-Fleece, innen noch einmal eine wärmende Fleece-Seite. Warm, weich, trotzdem nicht besonders schwer. Eine dieser Hosen, bei denen man nach zehn Minuten draußen merkt, dass man eigentlich hätte frieren müssen, es aber nicht tut.


Die Sector Jacket 6.7 hat eine ziemlich interessante Oberfläche und wirkt dadurch etwas weniger technisch, als sie eigentlich ist. Strapazierfähiges, wasserabweisendes Material, ordentlich dimensionierte Taschen und eine Silhouette, die nicht sofort nach Outdoor aussieht. Phantom passt natürlich ziemlich gut dazu.

Die Vapor Jacket 1.0 ist das Gegenteil davon. Leichter, reduzierter, fast ein bisschen unscheinbar. Das Material kann Wasser abweisen und gleichzeitig Luft und Feuchtigkeit nach außen lassen. Mehr muss eine gute Jacke manchmal auch nicht machen. Wir mögen Sachen, die nicht schon aus zehn Metern Entfernung erklären, was sie können.


Bei der Link Boa Jacket 6.7 ist die Sache eindeutiger. Boa-Fleece außen, wärmendes Fleece innen. Dazu verstellbare Bündchen und ein regulierbarer Saum. Das Ding ist dafür gemacht, dass man es anzieht, wenn es kalt wird, und danach möglichst nicht mehr darüber nachdenkt. Gray Wash macht den Rest.


Die Puffy Jacket 6.7 ist dann die etwas ernsthaftere Wintervariante. Leichtes, wasserabweisendes Material und eine Isolierung, die Wärme speichern soll, ohne aus der Jacke einen riesigen Schlafsack zu machen. Phantom und Gray Wash. Beide ziemlich gut. Beide vermutlich auch dann noch tragbar, wenn gerade kein Schnee liegt, was bei uns ja nicht ganz unwichtig ist.

Was uns an FGL am Ende am meisten gefällt, ist gar nicht ein bestimmtes Material oder irgendeine besondere Technologie. Es ist die Tatsache, dass Oakley hier Funktion nicht als Look versteht. Die Sachen sehen nicht unbedingt technisch aus. Sie fühlen sich auch nicht an, als müsste man sie für irgendeine spezielle Aktivität reservieren. Man kann damit Fahrrad fahren, im Regen stehen, im Flieger sitzen, durch die Stadt laufen, irgendwo draußen herumhängen. Man kann sie einfach anziehen. Wir brauchen hier keine weitere Outdoor-Marke, die uns erklärt, dass eine Jacke wasserdicht ist. Das können mittlerweile ziemlich viele. Interessanter finden wir Kleidung, die technisch genug ist, dass man sich auf sie verlassen kann, aber normal genug aussieht, dass man sie nicht nur für einen bestimmten Zweck aus dem Schrank holt. Vielleicht ist das auch der japanische Einfluss, der uns daran so gut gefällt. Weniger „schaut mal, was wir können“, mehr „das funktioniert halt“. Technische Stoffe, gute Schnitte, ziemlich durchdachte Details und Farben, die sich nicht in den Vordergrund drängen.

Oakley Japan ist deshalb für uns auch weniger ein Ausflug in eine neue Sportwelt als eine Ergänzung zu dem, was wir ohnehin mögen. Gute Alltagskleidung, die ein bisschen mehr kann, als man ihr ansieht.

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Niklas Hormanns